Bereits seit geraumer Zeit ist ein vermehrtes Abwandern der Nutzer von althergebrachten sozialen Netzwerken, hin zu den überdimensionalen Datenkraken zu erkennen, aber warum? Der Grund liegt auf der Hand: Als wohl größter Konkurrent konnte Facebook nicht nur durch die Anzahl der Personen und Informationen im Netzwerk punkten, sondern vor allem durch die Einheitlichkeit und Offenheit. Jeder Benutzer, egal ob Schüler, Angestellter oder Promi befindet sich auf Augenhöhe, wodurch eine emotionale Nähe aufgebaut wird die sich vor allem in unzähligen „Freundschaften“ bemerkbar macht.
Die desolate Lage des VZ-Netzwerks zwang das Unternehmen zum Handeln, wobei der wohl entscheidendste Fehler bereits zu Beginn gemacht wurde: Die Konkurrenzfähigkeit des Produktes wurde nicht angezweifelt und somit keine grundlegenden Änderungen am Konzept vorgenommen. Statt die „breite Masse“ als Zielgruppe aufzugeben, sich verstärkt den klar abzugrenzenden Gruppen zu widmen und hier eine noch spezifischere Kundenansprache umzusetzen, wurde lediglich das grafische Design und nicht nennenswerte Kleinigkeiten angepasst, die das Netzwerk wieder aufleben lassen sollen.
Welchen Vorteil hat der Nutzer nun von diesem Trittbrettverfahren? Die Antwort kennen die Macher der VZ-Seiten wohl nur selbst. Mit einem Netzwerk für Studenten in denen tatsächlich Studieninhalte ausgetauscht werden können oder sogar das Ziel eines dezentralisierten Netzwerkes in Angriff genommen wird (vermutlich ein Trend der die User von Facebook nach zahlreichen Datenlecks, Hackerangriffen, dem Veräußern der Daten, eingeschlossen einem detaillierten Profiling in naher Zukunft zum Umdenken zwingen wird), verkauft man ein veraltetes Produkt mit neuer Verpackung und wundert sich über fehlenden Zuspruch.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, allerdings war ideenloser Aktionismus noch nie die Grundlage für ein erfolgreiches Geschäft. Man kann nur viel Glück wünschen und sich über die Neuigkeiten auf Facebook austauschen.
Schon seit längerem hat sich Sagrotan ein Image der Keim- und Bakterienbekämpfungslösung Nr. 1 aufgebaut, doch in der aktuellen Werbekampagne wird das Geschäft mit der Angst nicht nur auf die Spitze getrieben sondern der Kunde zu allem Übermaß für dumm verkauft.
Gemeint ist an dieser Stelle der neue “No-Touch“ Seifenspender aus der neuen Produktlinie des Unternehmens. Die Grundidee hinter der Gerätschaft ist im gastronomisch-/industriellen Bereich durch aus sinnvoll – wenn nicht sogar “chic”, allerdings ist der dargebotene “Kaufgrund” für den Otto-Normalverbraucher nahezu absurd.

Quelle: Gerd Altmann / pixelio.de
Es wird damit geworben, daß sich Keime und Bakterien auf dem Pumpknauf herkömmlicher Seifenspender ablagern und so bei jedem Händewaschen an die nächste Person weitergegeben werden. Soweit klingt es durch aus plausibel, wenn man sich jedoch die gesamte Prozesskette vor Augen führt, wird klar, daß hier nur die Angst der Kunden angesprochen wird, nicht aber der gesunde Menschenverstand.
Steht man also vor einem “konterminierter” Pumpseifenspender ist der erste Schritt diesen zu betätigen, um Flüssigseife zu erhalten. Dabei nehme ich tatsächlich die Keime meines Vorgängers auf, die jedoch nach dem eigentlichen Händewaschen auch schon wieder verschwunden wären. Säubere ich mir also nach jeder Seifenentnahme die Hände (und alles andere wäre Nonsens), besteht zu keiner Zeit Gefahr, die Nachlassenschaften meines Vorgängers mit aus dem Bad zu nehmen.
Ein zweiter Aspekt: Durch die automatische Dosierung kann ich nicht mehr entscheiden wieviel Seife ich entnehmen möchte – mit einem Pumpseifenspender war es noch immer regulierbar. Entsprechend oft müssen Nachfüllpacks gekauft werden, was dem Unternehmen natürlich sehr entgegen kommt, denn allein mit dem einmaligen Verkauf der Spender wird noch kein Geld verdient.
Wieso also sollte ich mir den neuen Sagrotan-Seifenspender kaufen?
Heckscheibenbeschriftung – aber richtig!
Das eigene Auto bzw. der Firmenwagen wird von vielen Unternehmen, Vereinen oder Privatpersonen als Werbeträger entdeckt und schon seit längerem für die Übermittlung der Werbebotschaften genutzt. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand: Im Gegensatz zu statischen Werbeträgern wie Plakaten, Schaufenstern und Schildern kann mit einem Fahrzeug ein deutlich größerer Einflussradius erzielt werden, wodurch die Zahl der potentiellen Kunden steigt. Ein weiterer Aspekt ist der Kostenfaktor, denn die Beschriftung des Autos durch den Fachmann ist im Verhältnis sehr günstig bzw. können die Trägerfolien mit etwas Geschick auch selbst angebracht werden.
Abgesehen vom eigentlichen Anbringen der Beschriftungen, soll all dieser Stelle vor allem auf das Design eingegangen werden. Hier werden noch immer die größten Fehler gemacht, die den positiven Effekt der Werbebotschaft zerstören. Weiterhin werden oft die Faktoren vernachlässigt, die eine Aufnahme der Werbebotschaft überhaupt erst zulassen. Durch den äußerst gering bemessenen Zeitfaktor in der die Beschriftung wirken kann, ist deshalb unbedingt darauf zu achten die richtigen Informationen, in einer sinnvollen Detailtiefe, mit einem ansprechenden Design wiederzugeben – denn grundsätzlich kann man damit rechnen, daß die Werbebotschaft nicht länger als 5 Sekunden (aus dem Auto heraus) wahrgenommen wird. Aus diesem Grund möchte ich in der folgenden Aufstellung insgesamt zehn Punkte benennen, die bei der Erstellung einer Werbefolie zu beachten sind:
1.) Die Farbe
Grundlegend sollte beachtet werden, daß nicht etwa schwarze Folienbeschriftung einen möglich hohen Kontrast zur „transparenten“ Heckscheibenumgebung darstellt, sondern reines weiß deutlich auffälliger ist. Gleiches gilt für Klebeflächen auf dem Lack (auch wenn davon abzuraten ist). Dies schließt natürlich weiße bzw. sehr helle Lackierungen aus! Weiterhin sollte darauf geachtet werden, nicht mehr als 2 Farben in der Folienbeschriftung zu verwenden, um die Lesbarkeit nicht zu beeinträchtigen.
2.) Schriftart und Größe
Gerade bei „kreativen“ Einrichtungen wie Friseursalons, Floristen oder Bastelläden ist zu beobachten, daß auch bei der Autobeschriftung versucht wird durch Extravaganz aufzufallen, wodurch sowohl die verwendete Schriftart, als auch das Design der Folie durch geschwungene Linien und schwer erkennbare Buchstaben gekennzeichnet ist. Der Grundgedanke dieser Herangehensweise ist zwar vollkommen nachvollziehbar – der Werbewirkung ist es jedoch nicht förderlich. Bei einer Betrachtungszeit von max. 5 Sekunden haben Verkehrsteilnehmer keine Motivation während er Beobachtung des umgebenden Verkehrs die Beschriftung Buchstabe für Buchstabe zu entziffern. Klare Schriftarten und ausreichend große Buchstaben (die Worte sollten aus 10 m problemlos zu erkennen sein) helfen den Lesefluss zu erhöhen und die Aufmerksamkeit zu wecken.
3.) Detailgrad der Informationen
Die Vermittlung der relevanten Werbeinformationen gehört zu den Kernaufgaben der angebrachten Klebefolien. Grenzen werden auch an dieser Stelle wieder durch die Lesezeit aufgezeigt, wodurch sich auch für den Gesamteindruck der Werbung auf die wichtigsten Informationen beschränkt werden sollte. Von Wortgruppen oder gar Sätzen ist gänzlich abzuraten. Auch erklärungsbedürftige Formulierungen sollten vermieden werden. Ansprechender sind ca. 5-6 Stichpunkte, die Kernkompetenzen bzw. Alleinstellungsmerkmale verdeutlichen.
4.) Aussagekraft
Auch wenn die erstellte Werbung für den einzelnen (durch den emotionalen Bezug) unverwechselbar ist, erzielt sie nach außen – somit gegenüber den Kunden – eine andere Wirkung. Der Einsatz von eindeutigen, nicht interpretierbaren Symbolen unterstreicht den Zweck der Werbung und hilft auf den ersten Blick eine Grundaussage über das beworbene Unternehmen zu erhalten. Lassen Sie die betrachtenden Personen sofort erkennen was sie ausdrücken wollen und wofür sie werben.
5.) Telefonnummern & E-Mail Adressen
Wie bereits erwähnt, sollte die Anzahl der verwendeten Informationen möglichst übersichtlich und leicht zu erfassen sein. Einsparungspotential ergibt sich hier bei der Angabe der Telefonnummer & E-Mail Adresse. Auch wenn der Aussage korrekt ist, daß Kontaktinformationen ein wesentlicher Bestandteil der Werbeinformation sein müssen, wird diese Aussage leider viel zu oft fehlinterpretiert.
Bei Passanten die ein stehendes Fahrzeug begutachten sieht man selten, daß diese einen Notizblock zücken und sich die Telefonnummer des Unternehmens zu notieren. Gleiches gilt natürlich für E-Mail Adressen. Erschwerend kommt hier hinzu, daß sowohl vor dem „@“ als auch danach umständliche und nichtssagende Bezeichnungen verwendet werden (z.B. Baerchie76_neu@tee-online.de). Sinnvoller ist der Einsatz von Aussagekräftigen Firmennamen bzw. einer kurzen, einfachen Internetadresse. Sowohl die Kunden „im besten Alter”, als auch die neue Generation haben die Möglichkeit das Unternehmen in den „Gelben Seiten“ bzw. im Internet aufzusuchen und so an Detailinformationen zu gelangen.
6.) Ortsangaben
Für Ortsangaben gilt das gleiche wie für Telefonnummern – wer nicht von Berufswegen als Briefträger oder Krankenwagenfahrer tätig ist, wird nicht alle Straßen der Stadt kennen und diese geografisch zuordnen können. Einfacher sind Angaben wie „Gegenüber der neuen Kirche“, „Im Erdgeschoss des Einkaufszentrums“, „Neben der Stadtinformation“ etc. Angaben mit festen Bezugspunkten erhöhen zudem das Verständnis gegenüber dem aktuellen Standort.
7.) Art der Folie
Hier ist darauf zu achten, sowohl Grafiken als auch Schriften „freigestellt“ zu ordern, um ein professionelles Ergebnis der Werbung zu erhalten. Die Alternative stellt sich durch eine einzige große Heckscheibenfolie dar, wobei ungenutzte Flächen durch eine nahezu transparente Folie umgesetzt werden. Diese Flächen sind jedoch mit dem bloßen Auge zu identifizieren bzw. sammeln sich nach kurzer Zeit erste Schmutzablagerungen an den Rändern, wodurch das professionelle Erscheinungsbild verloren geht. Erschwerend kommt hinzu, daß das Aufbringen derart großer Folien oft zu Blasenbildung führt, die im Nachhinein nur schwer wieder entfernt werden können.
8.) Gesamteindruck
Bei allen Anpassungsarbeiten und Verfeinerungen des Entwurfs darf das Gesamtbild der Werbeaufschrift nie außer acht gelassen werden! „Der erste Eindruck zählt“. Ist der Inhalt der Werbebotschaft sofort erkennbar? Sind die Farben dem Unternehmensdesign entsprechend gewählt & gleichzeitig gut lesbar? Können Sie Kollegen oder Freunde mit ihrem Entwurf neben einer Auswahl von Alternativen der Konkurrenten sofort überzeugen?
Beziehen Sie bei der Beantwortung dieser Fragen vor allem Menschen ein, die von Ihrem Vorhaben nichts wissen, um eine möglichst objektive Meinung zu erhalten.
9.) Wiedererkennungswert
Ob nun der Pizza-Lieferservice, die Physiotherapiepraxis oder der Florist – es sollte auch bei Kleinunternehmen stets auf die Corporate Identity geachtet werden. Ziel soll es dabei weniger sein neue Kunden direkt zu gewinnen, sondern die Wiedererkennung zu erhöhen, um Parallelen zwischen Werbung & dem eigentlichen Geschäft zu ziehen.
10.) Der Kaufgrund
Als trivialste, aber auch wichtigste Komponente sollten Sie sich vergewissern, daß der tatsächliche Kaufgrund unmissverständlich dargestellt wird. Oft sind Heckscheibenbeschriftungen zu sehen, die zwar eine Fülle an Aussagen vermitteln, dabei jedoch vernachlässigen den potentiellen Kunden die Kaufentscheidung zu erleichtern und den Vorteil gegenüber der Konkurrenz darzustellen. Die Frage lautet: Wieso sollte der Kunde genau bei Ihnen kaufen und nicht beim Wettbewerb?
Priiiiiiiiiiiiiiil- Der PR-Supergau
Als “Schuss in den Ofen” kann man die aktuellen Verfehlungen der Firma Henkel bezeichnen, die mit Hilfe der “Community” einen neuen Aufdruck für die Spülmittelflaschen der Marke Pril kreieren wollte. Leider wurde die Kreativität der Gemeinde dabei unterschätzt und so beteiligte sich die natürlich sehr junge Generation der “Digital Natives” zahlreich an der Aktion und kürte die besten Entwürfe.
Das Bewertungssystem sah jedoch nicht vor, die Grafiken an Henkel zu senden, um eine Vorauswahl treffen zu können – nein, es konnte sofort gevotet werden und so kam es wie es kommen musste: Unter Vernachlässigung jeder Firmenidentität wurden die witzigsten Figuren aus dem Internet an die Spitze der Rangliste gewählt und das Schlamassel für Henkel war perfekt. Wahrscheinlich würden viele der Wettbewerbsteilnehmer eine solche Flasche gar nicht kaufen bzw. Pril nicht damit als Marke damit identifizieren, aber das war schließlich nicht die Aufgabenstellung.
Darauf hin versuchte das Unternehmen die Notbremse zu ziehen und verbannte die Vorschläge von der Webseite bzw. Facebookseite, wodurch unzählige abgegebene Stimmen ungültig wurden und die neue Werbeplattform des “Social Media” mit voller Wucht zum Gegenschlag ausholte. Statt den Fehler einzusehen und die mehr oder weniger amüsanten Etiketten lediglich als “Limited Edition” zu klassifizieren, um sie schnell wieder vom Markt verschwinden zu lassen, blieb das Unternehmen bei seiner Meinung und zog nicht nur den Zorn der Pril-User auf sich, sondern erntete zudem auch den Spott der gesamten Internet-Gemeinde.
Im Résumé ist natürlich zu überlegen, ob diese sehr aufsehenerregende Aktion nicht vielleicht sogar etwas Gutes an sich gehabt hat, jedoch wird das negative Image überwiegen und im Endeffekt viel Geld dafür ausgegeben worden sein, einen Fehler erst durch den „leaning-by-doing“ Effekt vor Augen geführt zu bekommen.

